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swiss design CH-DSGN at P! Galerie

Nonkonformes Schweizer Design in Maskat | CH-DSGN

2023 | 03 | 7

Am 1. Februar 2023 präsentierte P! GALERIE auf Einladung von S. E. Jamal al-Moosawi, Generalsekretär, eine Ausstellung zu Schweizer Design im Nationalmuseum des Sultanats von Oman. Das Museum, direkt gegenüber dem Königspalast in Maskat gelegen, zeigte die Ausstellung in seiner zentralen Ausstellungshalle. Offiziell eröffnet wurde sie von Sayyid Bilarab bin Haitham Al Said, dem Sohn des Sultans. Was folgte, war keine konventionelle Designausstellung, sondern ein konzeptuelles Statement. Keine Szenografie. Kein eventhafter Gestus. Nur Objekte auf dem Boden. Anstatt die gängigen Narrative von „Schweizer Präzision“, „rationaler Intelligenz“ oder „Funktionalität als Tugend“ zu wiederholen, konzentrierte sich die Ausstellung auf Nonkonformismus, Rohheit und Zweifel im Design. Bedeutende Objekte von Pierre Jeanneret und Le Corbusier aus UNESCO-Welterbestätten sowie Arbeiten von Tom Strala wurden direkt auf dem Museumsboden platziert – ohne Sockel, ohne Vitrinen. Der Ausstellungsboden selbst wurde zum konzeptuellen Element: ein mit Kreide gezeichneter Grundriss eines virtuellen Gebäudes – nicht mehr und nicht weniger – ephemer und fragil. Eine Methode, entlehnt dem epischen Theater Bertolt Brechts und später aufgegriffen in Lars von Triers Dogville. Keine projizierten Emotionen, Gedanken oder Moral – vielmehr ein Leerraum, der eigene, individuelle Wahrnehmungen ermöglicht. Da die Objekte nicht auf einem Sockel standen, konnten die Besucher sie berühren und direkt erfahren. Stühle wurden nicht als Kunstobjekte isoliert, sondern blieben physische, benutzbare Dinge. Die Ausstellung verweigerte sowohl Objektfetischismus als auch didaktische Autorität. Die Besucher konnten sich frei bewegen, ohne auf die Rolle passiver Betrachter oder Bewunderer reduziert zu werden. Sie waren eingeladen zu hinterfragen, zu reflektieren, Verbindungen herzustellen. Dieses Format vermied jede dekorative Ablenkung. Es war eine Geste der Reduktion – jedoch nicht im marktfähigen, minimalistischen Sinn. Es bestand auf Präsenz, auf der skulpturalen Wahrheit jedes einzelnen Objekts. Nichts wurde verborgen, nichts geschönt. „Schweizer Design ist nichts Anständiges“, sagte Pedja Hadži-Manović, Kurator der Ausstellung. „Es muss radikal sein. Es muss sich der Kultur des Kompromisses widersetzen.“ In diesem Geist zeigte die Ausstellung eine Werkgruppe, die im Schweizer Kanon meist vernachlässigt wird: experimentelle, unvollkommene Möbel – schlicht, primitiv, beinahe kindlich. Eine lange übersehene Seite des Schweizer Designs wurde hier sichtbar gemacht. Gerade diese Ästhetik des Schlichten und Spielerischen fand Resonanz bei den omanischen Besuchern – in einer Kultur, in der Zurückhaltung und Einfachheit noch Bedeutung tragen. Anstatt Nachhaltigkeit oder Moral zu predigen, eröffnete die Ausstellung einen Raum zur Reflexion: über Wert, Fragilität und unerwartete Gemeinsamkeiten zwischen entfernten Kulturen. Der Grundriss – Kreidelinien, die langsam verblassten – wurde zu einer stillen Metapher für Vergänglichkeit. Was blieb, war Klarheit. Dies war kein Kompromiss. Es war eine radikale kuratorische Entscheidung. Eine nonkonforme Bühne für Objekte, die sich nicht fügen.

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