Selbstinszenierung vor Objekt | Was eine Designgalerie sein sollte
Ich habe 2008 mit dem Handel mit Vintage-Möbeln angefangen. Anfänglich mit italienischem Design des 20. Jahrhunderts, alles noch in meiner eigenen Wohnung. Dann wandelte sich mein Interesse allmählich hin zum radikalen Design. Ein Prozess, der aus dem Bauch kam und mir die Intensität der Objekte zeigte, die mir so wichtig war. Als Architekt wusste ich zudem gar nicht so genau, wie man eine Galerie ökonomisch führt, und das war auch gut so. So konnte ich meiner Leidenschaft folgen, meine Neugier befriedigen und mich primär auf die Qualität der Objekte konzentrieren. Inzwischen sind Erfahrung und Wissen hinzugekommen, doch Neugier und die Faszination für das Qualitative im Design bleiben die eigentlichen Antriebskräfte. Mittlerweile habe ich 500 m² Raum, und die Recherche zu den einzelnen Objekten ist entsprechend vertieft. Sobald ich etwas verkaufe, kaufe ich damit gleich neue Objekte. Ein Suchtverhalten ist hier nicht zu leugnen. Publikationen und befriedigende Kooperationen mit Museen kamen dazu. Auf ökonomischer Ebene zeigte sich eine gewisse Naivität. Das Konzept folgte dem Prinzip: Wenn die Objekte qualitativ herausstechen, verkaufen sie sich auch. Das Kaufen von Meisterstücken definierte die Ausrichtung. Alles andere war Nebensache.
Wenn ich mir die aktuelle Galerieszene anschaue, erkenne ich, dass sich das Metier anders ausgerichtet hat. Der Präsentation wird sehr viel Bedeutung geschenkt. Die Galeristen sehen sich als Kuratoren, wobei dem Inszenieren die grösste Bedeutung beigemessen wird. Das Image der Galerie wird aktiv gepflegt, es besteht der Zwang, mit dem «next hot shit» herauszustechen, während auch das geschickte Positionieren in den sozialen Medien an Bedeutung gewinnt. Eine attraktive Präsentation ist nichts Schlechtes und zeugt von der Sensibilität der Galerie. Dadurch werden Objekte kontextualisiert, deren spezifische Qualitäten verdeutlicht und neue Lesearten ermöglicht. Dem ungeschulten Besucher werden so auch die Objekte nähergebracht. Gleichzeitig soll die Inszenierung dem Objekt zusätzlichen Wert verleihen, um die hohen Preise zu legitimieren. Hier entstehen Momente, in denen sich die Designgalerien anbiedern, sich in die Lifestyleschiene begeben und jedem Hype zu folgen versuchen. Die Galerie fokussiert sich auf das Imagepolishing. Die Galeristen wandeln sich von Experten zu cleveren Verkäufern und Marketingprofis.
Es ist ein Abbild einer Designsammlerschaft, welche Design weniger als geistiges oder sinnliches Gut und vielmehr als Lifestyleprodukt oder Investition wahrnimmt. Das Verständnis und die Auseinandersetzung sind womöglich oberflächlicher; weniger Leute haben die Zeit, sich mit der Materie auseinanderzusetzen, und so liegt es am Galeristen, die Objekte dem Käufer schmackhaft zu machen. Der Druck auf die Galerien steigt, alles drumherum zu optimieren. Das Setup, die «Location», der Hype um den Galeristen und die sozialen Auftritte sollen Autorität generieren. Nicht mehr die Objekte, sondern all dies definiert zunehmend die Qualität einer Galerie. Die Idee des Kurators hat an Bedeutung gewonnen, was verdeutlicht, dass sich eine Galerie über die Qualität ihrer Selbstinszenierung definiert, nicht mehr über jene der Objekte.
Dieser Ansatz ist verführerisch und ökonomisch erfolgversprechend, trotzdem ist er für mich eine Ablenkung vom Wesentlichen. So nehme ich in Kauf, dass meine Galerie in einem uneleganten Vorort steht, dass man durch ein Garagentor eintritt, dass der Raum nicht perfekt klimatisiert ist und die Toilette einer Fabriktoilette ähnelt. Bestimmte Besucher schreckt es ab, andere erfreut das Unpretentiöse. Diesen Ansatz werden wir nicht ändern: Wir möchten klarstellen, dass es um die Objekte geht und nicht um eine «Lifestyleexperience». Nackt, direkt und ohne Chichi ist unsere Darstellung so unmittelbar wie die Objekte, die schon genug für sich sprechen. Dass gute Präsentation und Objektfokus sich nicht zwingend ausschliessen, ist mir bewusst. Sobald die Inszenierung zum Zweck wird, wird die Galerie selbst zum Produkt, die Objekte zum nützlichen Werkzeug.
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